März 2018: Immer wenn in Leipzig Buchmesse ist, lockt das Lesefestival „Leipzig liest“ zu mehr als tausend Veranstaltungen überall in der Messestadt. Das Publikum strömt und kommt zu ganz normalen und gewissermaßen außergewöhnlichen Lesungen.

Leipzig liest

So war im Jahr 2017 im Rahmen dieses Festivals der erste singende Sehtest der Welt zu erleben. Der war Teil des Programms "Das magische Auge oder Warum Sie sehen, was zu hören ist", mit dem der Leipziger Klangkünstler Erwin Stache und dem Radiomoderator Wolfgang Schilling. Ihr gemeinsames Projekt ist eine Hommage an die Zeit, als Radios noch Möbel waren und ihre Töne und Botschaften mit einem grünen Augenzwinkern, dem des magischen Auges verbreiteten.

Bei dieser humorvoll-musikalischen Performance, die in der Kontaktlinsenlounge und den Geschäftsräumen der Bestsidestory ihre Premiere erlebte, kamen erstaunliche Klangobjekte aus der Werkstatt von Erwin Stache zum Einsatz. So staunten die Besucher über singende Bücher und Telefonbuchseiten, die, auf einer Spezialwaage platziert, ein Klavierkonzert intonierten. Außerdem kamen geheimnisvolle schwarze Klangkästen und Tonpeitschen zum Einsatz. Höhepunkt der Performance war dabei der „singende Sehtest“, bei dem überall in der Lounge versteckte Buchstabentafeln auf einem Notenständer platziert wurden und auf geheimnisvoll verfremdete Art zu singen begannen.

In einer ebenso informativen wie humorvollen Textcollage entführte der Radiomacher Wolfgang Schilling im Zusammenspiel mit dem Musiker die Besucher in die Zeit der Anfänge der deutschen Rundfunkgeschichte, deren wichtigste Kapitel Anfang der 1920er Jahre in Leipzig geschrieben wurden. Und das kurioserweise vis-a-vis gegenüber unserem heutigen Geschäftssitz. Dort, im prachtvoll sanierten Städtischen Kaufhaus, einem ehemaligen Messepalast, wurden in den 1920er Jahren während der Leipziger Frühjahrsmesse erste Radiosendungen produziert. Somit erlebten die Besucher der Veranstaltung eine Zeitreise in die Rundfunkgeschichte an einem historisch authentischen Ort.