Wolfgang Krause Zwieback in Magdeburg 2019

Der Kleinkunstgroßmeister Wolfgang Krause-Zwieback, ein Mann der theatralen Extravaganz, hat es auch nicht immer leicht. Vor allem dann nicht, wenn er im Navigationssystem seiner subversiven Theaterträume ein Stadt- und Staatstheaters eingegeben hat. Zum Auftakt seiner neuesten Produktion „Tanz im Netz“ rauscht ein Geschoss mit dreifachem Überschall akustisch durch den Raum und entschwindet im Nirgendwo. Knapp am Ziel vorbeigeschossen? Auf gar keinen Fall! In Magdeburg hat sich der Mann aus Leipzig mit seinem neuesten Theatertraum wieder verfangen können.

„Das funktioniert hier sehr gut. Das ist ein mittelgroßes Theater. Wenn man sich so bewirbt im ganzen Land, dann gibt es wenige, die einem die Hand reichen. Also die sagen dann: Super was du machst, aber nicht bei uns. So ungefähr, das ist der Code. Und hier ist eben über 15 Jahre so etwas wie gegenseitige Wertschätzung entstanden. Und zwar zwischen allen Fronten. Man kommt rein ins Haus, bellt und sofort ist die Stimmung gut.“
So die Einschätzung des Regisseurs und Autors Wolfgang Krause Zwieback. Und auch die Spieler fühlen sich – um im Bilde zu bleiben - offensichtlich wie auf einem Kindergeburtstag.

„Ich kann nur sagen, dass das ein großes Geschenk ist, mit Wolfgang zu arbeiten. Ich darf sozusagen von mir ausgehen, kriege keine Fremdformen raufgepfropft, sondern kann mir von meinem Erfahrungsschatz, meinem Körper, meinen Gedanken, meiner Phantasie aus andocken an eine Welt, die wir zusammen kreieren. Und das finde ich sehr bereichernd.“
Meint Maike Schroeter über diesen kreativen Akt. An dessen Ende aber doch ein ganz normales Textbuch auf dem Tisch liegt.

Mit allen Konsequenzen, auch für ihren Schauspielkollegen Marian Kindermann, der das Ergebnis der Arbeit folgendermaßen beschreibt:
„Ja natürlich, die Texte stehen ja fest. Die muss man auch lernen. Das ist dann so die Arbeit gewesen. Aber ansonsten hat sich das alles so angefühlt, wie ein entschleunigter Spaziergang. Wo man die Freiheit hatte, eine Produktion mal anders zur Premiere zu bringen als das sonst der Fall ist. Der Versuch war da, Zeitdruck zu nehmen und sich auf die Suche zu machen, was so passiert, wenn wir uns zusammen auf der Probebühne befinden. Und dann haben wir den Text dazu genommen und dann entstehen noch mal eigene Dinge, die man gar nicht so richtig erklären kann.“

Wie zum Beispiel zehn sogenannte Alofoten-Rituale. Was sich dahinter verbirgt, das bleibt geheimnisvoll. Wolfgang Krause-Zwieback liefert einen Text, der sich mit Leichtigkeit durch Phänomene des Alltags zwischen Leben, Tod und schwarzen Löchern bewegt, wobei die Zeit eine ganz eigene physikalische Größe darstellt. Trotz seiner bekannten und erwarteten Wortspielereien schwingt er sich zu einer philosophischen Ernsthaftigkeit auf, die mich als studierte Physikerin begeistert.

„Sinnlicher Surrealismus trifft das vielleicht am besten.“
Meint der Meister und spielt selbst nicht mit. Er überlässt die Bühne und seinen Text fünf jungen Darstellerinnen und Darstellern, was für zusätzliche Frische sorgt. Präpariert sind sie alle bestens. Nun heißt es also nur noch springen. Hinein in dieses übervolle Becken theatraler Kreativität. Das Publikum darf sich an die Hand genommen fühlen.

„Naja, das sind willkommenen Gäste. Man kann jetzt nicht sagen, hoffentlich verstehen die die Geschichte bis ins letzte Detail. Aber ich glaube, dass wir tatsächlich versuchen, zu entschleunigen und den Raum für Assoziationen aufzumachen. Und wenn das passiert und der eine oder andere lacht, und dann auch mal still zuschaut und auch mal eine andere Ruhe hat, als man sie sonst erlebt am Tag, dann haben wir glaube ich, ganz viel geschafft.“ - erklärt Schauspieler Marian Kindermann.